Die Geschichte der Vorarlberger Stickereiindustrie ist vielfach erzählt worden – in Ausstellungen, Publikationen, Schulbüchern und Medienberichten. Was bleibt, wenn man genauer hinschaut? Welche Geschichten wurden erzählt – und welche nicht? Haben sich Vereinfachungen eingeschlichen, fehlen Perspektiven?
Das S‑MAK lädt zu einer mehrteiligen Gesprächsreihe ein, in der wir bestehende Erzählungen kritisch reflektieren, uns unsere Geschichten erneut erzählen und versuchen gemeinsam zu lernen.
In mehreren Themenabenden werden Quellen, Dokumente und gelebte Erinnerung abgeglichen. Was ist dokumentiert, was existiert bislang nur im kollektiven Gedächtnis, was verdient oder fordert eine weitere Bearbeitung? Was sind die bevorzugten Erzählungen, worüber wird nur ungern gesprochen? Denn Glanz und Kehrseite gehören auch in der Geschichte der Stickerei immer zusammen: Weltmarktführerschaft und Heimarbeit, Exporterfolg und Selbstausbeutung, Spitzenprodukt und unsichtbare Arbeit.
Ein zentraler Teil der Gesprächsabende gehört den Zeitzeug:innen im Saal. Wer die Branche selbst erlebt hat — als Arbeiter:in, als Unternehmer:in, als Kind einer Stickerfamilie —, bringt ein Erfahrungswissen mit, das kein Archiv vollständig erfassen kann. Jede Veranstaltung dieser Reihe ist deshalb mehr als nur ein Vortrag oder eine Diskussion: Sie ist eine Einladung, eigenes Wissen und eigene Erinnerungen einzubringen — und gemeinsam zu erarbeiten, welche Geschichten über die Stickerei erzählt werden, welche fehlen und welche es verdienen, nicht vergessen zu werden.
Termin Startveranstaltung: Montag, 6. Juli 2026
Thema: Stickerei als Abbild ihrer Zeit– Darstellung in Archiven, Ausstellungen und Medien
Gesprächspartner:innen: Oliver Heinzle (Historisches Archiv Lustenau), Yvonne Rüscher (Filmwissenschaftlerin), Theresia Anwander (vorarlberg museum)
Wie wird die Geschichte der Vorarlberger Stickerei eigentlich dargestellt — und von wem, für wen, mit welchen Absichten? Ausstellungen, Archive, Lehrmittel, Werbebroschüren und Medienberichte haben diese Geschichte über Jahrzehnte mitgeformt — und dabei bestimmte Bilder immer wieder bestätigt und andere beiseitegelassen.
Dieser Eröffnungsabend fragt nach den Mechanismen solcher Darstellungen: Welche Quellen liegen vor — und welche Schlüsse lassen sie tatsächlich zu? Oliver Heinzle bringt das (Historische) Archiv ins Gespräch: Was ist belegt, was wurde überliefert, was fehlt? Yvonne Rüscher fragt nach den Mitteln und Perspektiven im Medium Film — was verschiedene Formate erlauben, wie und wo sie beeinflussen und was sie zwangsläufig ausblenden. Theresie Anwander wiederum fragt aus der Ausstellungspraxis heraus, wie Museen mit diesem Erbe umgehen: Was wird gezeigt, was bleibt im Depot?
Gemeinsam entsteht an diesem Abend ein erstes Bild davon, wie sehr das, was wir über die Stickerei zu wissen glauben, von den Formaten abhängt, in denen dieses Wissen überliefert wurde.